Plädoyer für Arran

Folgendes habe ich einmal geschrieben, als ich gefragt wurde, wie ich gerade auf die Arran Malts gekommen bin:

Hohes Gericht, verehrte Mitlesende,

 

ich gebe offen zu, bei der Beurteilung der Arranmalts bin ich wohl als befangen zu bezeichnen. Jedoch meine ich, gerade in Sachen gut trinkbarer Malts eine gewisse Befangenheit nicht als negativ bezeichnen zu müssen. Im Gegenteil, vielmehr ist eine solche persönliche Voreingenommenheit in der Sache selbst ein probates Mittel, die Interessen seines Mandanten besser vertreten zu können.

 

Wie ist denn nun diese, von erheblicher Subjektivität des Unterzeichners geprägte Lobpreisung der Arran-Malts rational zu erklären? Nun, wir wissen alle aufgrund zahlreicher gleichlautender Meinungsbekundungen sowohl im Rahmen als auch außerhalb diverser Whisky-Foren, dass die diversen Malts in Abhängigkeit von der Tagesform des Verkostenden sowie des Torfgehalts des Stoffs unterschiedlichste Degustationseindrücke und -ergebnisse hervorrufen. Möglicherweise spielt auch eine in persönlichen Erlebnissen begründete Verbundenheit zu einer bestimmten Whiskyerzeugungsfabrikation eine nicht zu unterschätzende Rolle. So ist es auch im vorliegend zu beurteilenden Fall: Schon im Jahre 2001 erwarb ein zu dieser Zeit sich gerade erste whiskytechnische Grundkenntnisse verschaffender Jurist, nämlich meine Wenigkeit, einen Anteil an einem im Jahre 1998 befüllten Hogshead (toll dachte ich damals, was ist das denn wieder?) mit Single Malt Whisky der Isle of Arran Disitillery.

 

Dieser Umstand führte dazu, bei einer im Jahre 2001 geplanten Reise in den nördlichen Teil der Britischen Insel auch die Insel Arran einer näheren Erkundung zuzuführen und den Gestehungsort des Arran Whisky persönlich mit der hohen Ehre meines Besuches zu erfreuen. Bei der obligatorischen Besichtigung und anschließender Verköstigung festigte sich schon damals in mir der Entschluss, zu dieser Destillerie eine immerwährende Treue zu bewahren. Nicht allein der edle Stoff selbst war ausschlaggebend für diese verhängnisvolle, mein Leben völlig zum Positiven verändernde Entscheidung, nein, auch die faszinierende Umgebung der Destillerie, insbesondere die die heiligen Hallen umschließenden Berge begründeten meine bis heute wachsende Liebe und Verbundenheit zu einer der jüngsten Destillerien Schottlands, dem Land all meiner geheimen Sehnsüchte.

 

Nun zum edlen Nektar selbst, welcher schon in jungen Jahren sämtliche entweder selbsternannte oder auch tatsächlich als Koryphäen bekannte Maltexperten geradezu ins Schwärmen brachte und Ausrufe höchster Verzückung hervorrief. Merkte man dem Standard, dem Arran Malt ohne Altersangabe noch sein jugendliches Alter an, erreichte man schon mit dem Non Chill Filtered ein höheres Niveau. Weitere Beispiele der Destillationskunst auf Arran sind die Vintages 1995 sowie 1996, beide mit jeweils 46 % und ca. 8 Jahre alt. Im gleichen Segment bewegen sich die Provenance-Abfüllungen von Douglais Laing/McGibbons. Nunmehr gibt es auch eine offizielle 10 Jahre alte Abfüllung  und eine solche in Fassstärke, den 100 Proof.

 

Allesamt bestechen sie durch ein abgerundetes Aroma mit Fruchtnoten und einem sehr guten Geschmack: leicht rauchig, dennoch mit angenehmer Süße, die hervorragend mit dem Rauch und etwas Salz harmoniert, etwas Heide und auch Honigtöne sind festzustellen. Vor allem die Finishings jedoch sind es, welche mittlerweile die Arrandestillerie zum ungekrönten Finishing-Weltmeister werden lassen: Calvados, Sherry, Marsala, Cognac, Bordeaux, Rum, Champagner, Montepulciano d’Abruzzo und und und.... Ob alle diese Malts gelungen sind, bleibt selbstverständlich der subjektiven Einschätzung jedes Maltkenners selbst überlassen. Eines steht jedoch fest, an Ideenreichtum mangelt es wahrlich nicht.

 

Von dieser Destillerie ist noch einiges zu erwarten und die gestandenen Destillerien sollten sich warm anziehen. Nicht auszudenken, wie ein Arran erst nach 12 oder gar 15 Jahren Lagerung schmecken wird.

 

Whisky-Pabst Jackson wird dann wohl erstmalsdie bisherige Höchstmarke von 96 Punkten von 100 möglichen überschreiten und möglicherweise sogar die Idealpunktzahl 100 erreichen. Jim Murray hat in der 2007er Ausgabe seiner Whisky Bible für einige Arrans mehr als 90 Punkte vergeben, für einen Malt sogar 94!

 

Um es mit Otto W. abzuschließen: Und sollten wir nicht vielleicht alle, oder doch nicht, das haben wir ja schon immer gesagt. Einen schönen guten Abend.