12. Sachsentasting am 05.03.2011 in der Altstadtkneipe No 2 Delitzsch

Am 05.03.2011 trafen sich die whiskyverrückten Sachsen sowie befreundete Nichtsachsen zum 12. Mal zu einem Sachsentasting. Jens Fahr, Inhaber der Altstadtkneipe No 2 in Delitzsch hatte diesmal eingeladen. Die Altstadtkneipe wurde 2010 zur Whiskybar des Jahres gekürt und Jens kann wahrlich stolz auf sein Lokal mit Whiskystübchen sein. Eine wirklich geniale Atmosphäre mit einer gigantischen Whiskyauswahl - allein deswegen ist Delitzsch die weiteste Anreise wert.

 

Eine Beschreibung des Abends sowie der verkosteten Malts findet Ihr unterhalb der Bildergalerie

 

 

 

Ich gebe die Eindrücke des Abends von Jens Fahr wieder:

 

Pünktlich 18 Uhr trudelten die Sachsen bei mir ein... Bernd_R (aus Raguhn!) war der erste, der sich in die kleine Warteschlange vor der noch geschlossenen Tür einreihte... Gleichzeitig (so berichtete man später!) naschten wohl Jens Unterweger, Stephan (der Waldbaer) und Lothar aka whiskyman_de im nahegelegenen Hotel an den ersten feinen Tropfen... Der reservierte Tisch in der Kneipe füllte sich schnell. Und es wurden die ersten Biere bestellt, Essen geordert, Neuigkeiten ausgetauscht, alte Bekannte begrüßt und neue Bekanntschaften gemacht... Steffen (hier als Kuddel bekannt) und T_Punkt_F (inzwischen hier nicht nur gemeldet, sondern auch aus seiner Deckung gekrochen) waren ja zum ersten Male bei einer solchen Veranstaltung dabei... Die Runde wuchs zusehends - und als dann Thomas (Sir Dino), unser Mannschafts-Kapitän, mit seiner Gudsden (!!!) kurz nach 19 Uhr verabredungsgemäß eintraf, wechselten wir rasch die Etagere... in den ersten Stock: ins Whisky-Stübchen...
Da gab es zum Aufgalopp die erste der beiden annoncierten "Vorsuppen": einen KIRSCH-WHISKY vom KONSUM Spirituosenbetrieb G. Winkelhausen aus Güstrow (aus meinen (stillen) Reserven noch aus DDR-Zeiten... Friedensware sozusagen...) Leute - ich verstehe gar nicht, wie wir sowas literweise (!!!) trinken konnten... Boaaarrrh! DER Suppe half auch kein durchaus vorhandenes "Old-Bottle-Flavour"... Hier wurden (so schien mir) nicht nur Kirschen (gleich welchen Zustandes!) sondern vermutlich ganze Kirsch-Zweige verkocht...
Geschenkt! - Es war eh´ meine letzte Pulle...
Nach diesem bitter-süßen und klebrigen Auftakt sollte es jedoch an den "Ernst des Lebens", sprich: an das gewählte "Basis-Line-Up", gehen... Auch hier zunächst ein Rückfall in diktatorisch verordnete Trink-Gewohnheiten... Die Genossen (und auch die anderen Anwesenden: also Bündnis-Grüne, freie und sogar soziale (!) Demokraten, christlich-demokratische (oder waren es ebenso soziale???)...) genossen den ihnen vorgesetzten marxistisch-leninistisch durchtränkten, noch von keiner marktwirtschaftlichen Freiheit verunreinigten FALCKNER, OA (4o,o Vol.-%) von der C. & W. Falckenthal und Söhne, Luckenwalde... Waren es die Jahre, die die Erinnerungen an diesen fast klaren Tropfen schon fast ins Groteske überhöht ins Gedächtnis gebrannt (!!!) hatten... Oder hatte hier das viel beschriebene OBF ganze Arbeit geleistet??? Nicht nur ICH (!) hatte(n) diesen Kollegen wesentlich garstiger in der Stammhirn-Rinde abgespeichert... Ehrlich: wer ihn noch bekommt, sollte ihn probieren. Den Vergleich mit dem Klassengegner (Racke Rauchzart) muß(te) er nicht scheuen... Und würde ihn wohl auch gewinnen... (Wenn man ihn denn ließe... Oder: gelassen hätte)... In der Nase war er sogar gefällig... Nur im Geschmack war er - nun ja: dünn....
Nach diesen beiden "Vorsuppen" sollte es (nach den Vorstellungen des Veranstalters) zumindest auf dem Niveau der Tischoberkante weitergehen... Doch Bernd (aka Blacky) hatte kurz vor dem Sachsentasting gewarnt, daß er seinen "WCID 03" mit Ben Bracken (oder einer Kräuter-Limonade) befüllt hätte... Meine unermüdlichen Nachforschungen hatte jedoch ergeben: es war ein ABERLOUR; Signatory (CSC) 19 yrs./1990 Oak Hogshead No. 101.773 (228 Bottles) mit 54,9 Vol.-%... ;) Dem kreuzenden Gesellen wurde ein warmherziger Empfang bereitet. Er wiederum beglückte uns mit den typischen Aromen eines im Bourbonfass gelagerten Aberlour... Sehr dezent zwar. Und zurückhaltend... Vielleicht sogar etwas schwächlich auf der Brust... Und ohne richtig Volumen auszubilden... Der Alkohol dagegen stand etwas zu sehr im Vordergrund. Alles wirkt stark bourbon-ähnlich... Dann wird er etwas fruchtig. Und schön. Die Nase offenbart nun Mandel-Noten, Honig und Holz. Im Geschmack fanden wir Honig und Heide-Noten, Melone und Mandeln... Er ist hier schon schwer, komplex und reichhaltig. Aber KEIN Kracher!!! Er schmeckt gut. Und wird später leicht salzig... Der Abgang ist mittellang bis lang. Mit Holz-Noten, etwas (heller!) Frucht und Heide-Noten bestückt... Und er wird zunehmend pfeffrig. Na, Blacky, ich denke: ausführliche Tasting-Notes werden folgen... Doch bereits hier: ein großes DANKESCHÖN! für diese durch die Lande kreuzende und mit Sicherheit wieder auf Reise gehende Gabe!
Nach diesen "Pflicht-Aufgaben" näherten wir uns dem ersten Teil unseres "Basis-Line-Up´s": CAPERDONICH... Als hätten wir gewußt, daß nuninzwischen auch die letzten Reste dieser schon vor Jahren geschlossenen Destille getilgt wurden, hatten wir uns zwei ältere Bottlings für unser Tasting auserkoren. Wir begannen mit dem CAPERDONICH, SSMC (24 yrs./1980) Refill Sherry Cask No. 7340 (258 Bottles) 57,1 Vol.-%... Bereits hier begannen die ersten Sachsen ein erstes Hohelied auf Maggie´s Näschen zu singen... Sein Duft startet mit blumigen Aromen (ohne daß man sagen könnte, welche!) - wie ein ganzer Strauß süßer und betörender Blüten... Dazu treten leicht säuerliche Noten und eine Wein-Säuerlichkeit... Manche meinten, hier ganz leichte Kittifix bzw. Duosan Rapid-Noten zu riechen (für den Rest der Whisky-Welt: Pattex oder Uhu - aber genau deren Klebstoff-Noten eben nicht!)... Doch dann triumphieren die Gummi-Bärchen! Eine ganze Gummi-Bärchen-Bande marschiert hier fröhlich durch die Nüstern... Jetzt findet man hier vor allem (!!!) Süße (!). Der Duft ist durchgängig weich, sehr komplex und eben: süß... Später tauchen neben dem fruchtigen Duft grüner Bananen auch überreife Birnen und schrumpelige Winter-Äpfel auf... Mit der Zeit bekommt er dann auch holzigere Noten und schönen Toffee- und Pralinen-Aromen. Doch all das verweilt nicht. Ständig verändert sich das Aroma... Mal findet man nasses Laub - dann wieder fruchtigere Töne (Pfirsich, Orangen, Melone)... Und immer wieder auch schokoladige Noten, Rosinen und buttrige Anklänge... Auch eine sehr leichte Schärfe kann man nicht wegdiskutieren... Nach der Zugabe von Wasser (und DER verträgt ´ne Menge davon!) treten dann sogar Honig-Noten zutage... Wie gesagt: ein toller Duft! Der Geschmack ist ähnlich komplex. Aber auch kräftig und leicht pfeffrig... Mit Wasser wird er hier (noch) schärfer. Also: lieber weglassen!!! Doch darüber hinaus entwickelt er eine leichte Trockenheit, Noten von herber Schokolade und Winterapfel mit Vanille... Er bleibt lange auf der Zunge... Der Abgang ist dann wieder leicht trocken, seidig und "cremig scharf"... Für MICH (!) ein eindeutiges Fazit: RIECH-WHISKY!
Der zweite obligatorische Malt im Line Up war der CAPERDONICH; DT ("Lonach") 33 yrs./1972 (Oak Casks) 41,9 Vol.-%... Dieser Malt bekam keine Kühlfiltrierung und auch keine nachträgliche Farbgebung... Hier wurde lediglich einem unter die 4o,o Vol.-% gefallenem Fass mittels eines weiteren wieder über die notwendige Marke geholfen... Glücklicherweise! Denn sonst wären wohl beide Fässer verloren gewesen... Im Aroma hat dieser Malt sehr frische, sahnige und süße Vanille. Aber auch irgendwie (???) käsige (jedoch nicht unangenehme!) Noten... Dahinter entdeckte ICH (!) helle zarte Frucht-Noten (Birne)... Im grasartigen und sahnigen Geschmack
entdeckt man dann auch die für die Caperdonich´s typischen grünen Äpfel. Und erstaunlicherweise: Möbel-Politur... Dieser Malt ist sehr rund und komplex. Fast schon genial... Zumindest für diejenigen, die nicht solche Brecheisen brauchen... Der Abgang ist hier lange anhaltend und fruchtig... Sehr schön!
Dieser Malt wurde übrigens bei der „Scottish Field Whisky Challenge 2007“ als „First Class“ ausgezeichnet...

 

Teil 1 des lästigen Pflicht-Programms war erledigt... Ab diesem Zeitpunkt mußte sich jeder selbst durch die gefühlt 30 (oder 35?) Flaschen kämpfen, die sich ordentlich aufgebaut auf der Bar meines kleinen Stübchens drängelten... Was war das für ein ergötzender Anblick! Jemand meinte zwischendurch versonnen, daß da wohl gut und gerne zweieinhalb- bis dreitausend Euronen in flüssiger Form rumstünden... Ich wollte mich davon nicht beeindrucken lassen. Und legte los:
Bei MIR folgte als nächstes der vom Bernd_R mitgebrachte GLEN FIRST CLASS; MoS (bottled: 2000) 5o,o Vol.-%...Dieser sehr schön rötlich-dunkle Malt hat in der Nase sehr präsente Sherry-Aromen. Und auch etwas Alkohol... Dennoch ist dies eine schöne Nase! Hier verrät er bereits unverkennbar seine Herkunft: Glenfarclas... Auch im Geschmack findet sich viel süßer Sherry. Allerdings fehlt es ihm etwas an Volumen und Tiefe. Lediglich die 5o Oktan sind allgegenwärtig... Später bekommt er deutliche Holz-Noten. Und leider auch bittere Aromen und eine leichte Schärfe... Klebstoff konnte ich (entgegen anderer Meinungen!) nicht feststellen... Eher schon deutliches Holz... Mit zunehmender Zeitdauer wird er immer trockener... Dennoch (auch wenn dies vielleicht nicht so klingt!) ist dies ein sehr schöner und runder Malt. Der Abgang ist lang. Und die Sherry-Süße verbleibt sehr angenehm im Mundraum zurück... Na, wenn das kein gelungener All-Day-Dram ist... Noch dazu mit diesem PLV!!!Weiter ging es mit einem BURN OF SPEYSIDE; van Wees (6 yrs./1996) Refill Sherry Hogsheads (46,o Vol.-%) von Sir Dino... (Thomas hatte ja bereits im Vorfeld auf die ihn begleitende Geschichte verwiesen!)... In diesem sehr schönen blass-gelben "Balvenie" fand ich Noten von Getreide und Bananen, Datteln und Äpfel... Und (wohl weil er diese Geschichte birgt!) auch ganz leichte salzige Noten... Damit qualifizierte sich dieses Teil unweigerlich zum Appetitmacher! (und ich begann mich insgeheim darüber zu ärgern, daß ich bei diesen Teilen damals nicht zugeschlagen hatte! - zu sehr hatte mich bei den Begleit-Umständen ein mulmiges Gefühl umschlichen...) Schade. Denn dies ist ein richtig gut trinkbarer Malt... Der sich nur so wegschlabbert... Mmmm...
MEIN nächster Programmpunkt nannte sich: BENRINNES; LD "Douglas of Drumlanrig" (13 yrs./1994) Dark Sherry Cask (56,9 Vol.-%)...Die Farbe dieses Malt war von einem dunklen Gold bis hin zu rötlich-braunen Färbungen... Im Duft offenbart er Karamell, Sherry und viel süße Frucht. Sein Geschmack ist geprägt von Kakao-Noten und leicht nussigen Aromen. Und zwar ziemlich stark und kräftig! Das doch ziemlich sherry-lastige Holz bekommt hier auch eine schon heftige Schärfe... Dennoch: nicht unschön!Der nächste Dram war bei mir ein BENNACHIE SPECIAL RESERVE (Highland Park); TWE (18 yrs./1988 Dark Sherry Butt No. 11.921 (59,7 Vol.-%) mit 528 Bottles... Wow! Was für eine geniale Sherry-Nase! Ich konnte hier zwar überhaupt nichts HP-ähnliches entdecken - aber wen stört das schon, wenn ein Malt SOOO riecht??? (Mich nicht!) - Aber er zeigte dann doch noch Spuren von Pfeffer... Im Geschmack war dieses Teil extrem lecker. Und hier offenbart er nun (nach längerer Zeit im Glas) auch seine HP-Herkunft... Sollte ich nun sagen: leider? - Mir war er nun fast ein wenig zu garstig... (im Vergleich zu den Versprechen, die er in der Nase abgegeben hatte). Diese Heide-, Erika- und Holz-Noten paßten so gar nicht (mehr) in das anfänglich so schöne süße Bild... (aber vielleicht ging es ja nur mir so!). Jedenfalls wurde hier von einem 90-Punkte-Malt gesprochen (den ich noch nie zuvor gesehen hatte!)... Eine weitere aufmerkenswerte Erfahrung!

 

Dann kam für MICH der SPRINGBANK; OA (PB for Dr. Clemens Dillmann) 10 yrs./1999-2009 (Sherry Cask No. 354) 57,o Vol.-% (355 Bottles)... Für MICH war hier der Sherry stärker als der Destillerie-Charakter. Nicht, das ich dies bemängeln würde... Aber ich hatte anderes erwartet! Er ist ein schönes Teil zum Wegschlabbern... Allerdings bekommt er mit der Zeit auch Schärfe... (in der Nase!) Ob ich mich nächste Woche an DEN noch erinnern kann??? - Irgendwie nicht schlecht. Aber auch nichts, was erinnerungswürdig wäre...Als nächstes schob sich der ROLAND´s CHOICE (Clynelish); Whisky-Fässle (14 yrs./1995-2010) Bourbon Hogshead (53,3 Vol.-%) in mein Blickfeld... Clynelish at it´s best! - könnte man hier wohl zurecht sagen... Jedenfalls für dieses Alter. Und für eine Bourbon-Cask-Abfüllung... Bei diesem Malt fand ich in der anfänglich noch recht verschlossenen Nase malzige Noten, herbe Kräuter, Käse-Noten und Salz... Torf hat er keinen. Und auch keinen Rauch. Für MICH kommt er eher mineralisch daher... Später (und auch mit Wasser!) bekommt er fruchtige Noten (Apfel, Zitrone und Quitte!)... Aber auch etwas küsten-typisches... Getrocknete Algen (?), feuchte Kiesel (?)... Mir gefiel diese Nase sehr gut! Vor allem, weil sie so vielgestaltig, wandelbar und komplex war... Sein Geschmack ist aufgrund der reichlich 53 Umdrehungen ziemlich kräftig! Auch hier hat er wieder eine schöne fruchtige Süße, mineralische Anklänge und eine ledrige Wachsigkeit... Dies ist vielleicht auch das, was ich in der Nase mit Käse (?) "übersetzte"... Zudem finden sich hier auch Grüne-Tee-Noten... Der Malt ist sehr würzig und nur leicht pfeffrig... Hier kann man auch gut mit Wasser spielen. Er ist ein guter Schwimmer. Von Anfang bis Ende bleibt er seinem Stil treu. Eine schöne Abfüllung, die überdies ein schönes PLV aufweist!
Nach diesem gabs mit dem 3ojährigen CLYNELISH; SSMC (14.10.1972 - 25.10.2002) Cask No. 14.287 (56,3 Vol.-%) jenen Malt, von dem man schon im Vorfeld viele gute Sachen zu hören bekommen hatte... Zurecht, wie sich hier erwies... Hier begann man nun, die zweite Strophe auf Maggies Fass-Auswahl-(Qualitäten) zu singen... Aber was sollman auch sagen? Dieser Malt hat schon ´ne geile Nase! So reichliche Fruchtigkeit mit Andeutungen von exotischen Früchten... Anfänglich spielt hier das Holz noch eine Rolle. Später geht dies in Noten von Johannisbeeren und Cassis auf... Auch im Geschmack ist dies einer, der seine Vorschuß-Lorbeeren zurecht bekam... Wahnsinnig viele Frucht-Noten (Quitten, Pflaumen, Aprikosen, Mango, ...). Dazu Honig satt. Und Karamell, Toffee... Und ein wenig Salz. Zum Ende hin wird er auch pfeffrig und trocken. Dennoch: ein Spitzen-Malt!!! Danke Maggie... (und danke dem Mitbringer- ich weiß allerdings nicht mehr: Warst Du es Stephan???)
Da wir schon mal dabei waren, wollte auch Jens Unterweger seinen Malt als Kontrahent hier an dieser Stelle in den Ring schicken... Also verkosteten wir gleich darauf (sozusagen im direkten Vergleich) den CLYNELISH; Whisky-Fässle (38 yrs./1972 - 2010) Bourbon Hogshead (46,2 Vol.-%)... Jens war sich sicher, daß seine Abfüllung jene von Maggie "schlagen" würde... Und ja. Dies ist ein grandioses Teil... Irgendwie wirkte er jedoch wie eine feinere und zartere und weiter-entwickelte, raffiniertere Variante von Maggies Clynelish... Ihre Ähnlichkeit war genauso frappierend wie ihre zweifelsfreien Unterschiede... Nur daß Jens´ Abfüllung viel verschlossener und nicht so direkt auf einen zugeht... DER will (und muß!) entdeckt werden... Wenn ich jetzt sage, daß er sich dagegen sperrt, so ist das sicherlich falsch... Er versteckt sich. Er ist ein defensiver Malt. Sehr schön. Sehr zart. Sehr cremig... Spät zeigen sich hier auch Rosinen.Und (ganz wenig) Pfeffer... Hmmm. Sagen wir: Unentschieden?! (Jeder hat seine speziellen Qualitäten. Und welche davon stärker bewerten?) MIR gefielen beide. Richtig gut!!!

 

Nach diesen beiden Wahnsinns-Tropfen fiel meine Wahl auf einen von Lothar´s Bowie´s... DER viel diskutierte BOWMORE; Samaroli (16 yrs./1984) Fino Sherry Puncheon No. 61.930 (798 Bottles) mit 45,o Vol.-%... Ich weiß nicht, wie man hier "parfümige Noten" entdecken kann... Entweder war hier meine Nase mittlerweile "ermüdet" - oder ICH fand die Parfümigkeit nicht... Für mich offenbarte sich eine runde und sehr schöne Nase mit süßem Sherry, Torf und viel Frucht (Äpfel, Zitrus-Früchte)... Aber auch mit buttrigen und sahnigen Zügen. Der Geschmack spiegelte die Nase exakt wieder und fügte lediglich eine etwas alkoholische Schärfe hinzu... Der Körper hingegen war richtig schön kräftig und robust... Was erwartet denn mancher??? Ich fand den schön... Vielleicht nicht typisch Bowmore. Aber kaufen würde ich ihn...
Nach all den Sherry-Tunten und wenig bis gar nicht getorften Malts wurde es nun langsam Zeit, zum zweiten Teil des obligatorischen "Basis-Line-Up´s" überzugehen... Ich begann mit dem LAPHROAIG; SSMC (7 yrs./2001) 58,9 Vol.-% (3oo Bottles)... Wooaarrrh! - Spätestens hier begann die dritte Strophe des Hohelieds auf Maggie´s Auswahl... Im Duft ist dieser junge Islay eine Wucht! Typisch Laphi: mit sehr frischen (gras-grünen) Noten, starkem Rauch und den üblichen Islay-Duft-Noten mit Seetang, Salz und Torf... Hier bekam der eine oder andere den ersten Husten-Anfall. Ja. Das war nun ´ne andere Kategorie... Nun hatten wir die Wucht-Prummen hervorgeholt! Spät taucht hier noch eine leicht alkoholische Note auf. Doch auch im Geschmack vollführt dieses Teil einen Schnellstart! Die Räder scheinen hier durchzudrehen und hinterlassen auf dem Asphalt: Gummi! Dieses Teil ist um Welten besser als die 1ojährige OA! Man durchlebt hier eine gewaltige Explosion von allem, was Islay (oder eben Laphroaig!) ausmacht: Rauch, Torf, Schärfe (!!! - die zunächst auf der Zungen-Oberfläche, dann am Gaumen und zuletzt an den Zungenrändern auftrifft!), Trockenheit, Holz, Salz, Seetang... Sein Abgang ist lang und salzig. Und hinterläßt ein angenehm wärmendes und wohliges Kamin-Feuer-Gefühl... Ein toller Malt! Und ein exemplarisches Beispiel für einen gelungenen Laphroaig...
Diesem Kollegen mußte sich anschließend der LAPHROAIG; C&S " Dram Collection" 11 yrs./1998 (Hogshead No. 700.286) 61,3 Vol.-% (266 Bottles) stellen... Auch dies ist ein wirklicher Klasse-Islay! Hier hat man Rauch, Speck-Noten und Torf in der Nase... Und dazu kommt Kuhstall-Duft und Noten von Geranien... Seinen Alkohol-Gehalt kann und will er nicht verleugnen... Die reichlich 61 Umdrehungen sind schon ´ne Wucht... Im Mund setzt er gegenüber Maggies Version sogar noch einen drauf. Hier wirkt er wie ein Dampfhammer... Mit Rauch und Torf, Salz und Pfeffer, hintergründiger Süße, knusprigen Speck-Noten... Und dem Alkohol! Trotzdem wirkt er hier milder als in der Nase... Zum Ende hin bekommt er neben seiner Süße auch eine Ahnung (!) von Bitter-Schokolade... Wow! Ist dies ein grandioser Islay... Und selbst Wasser kann ihn nicht brechen. Dem widersteht er fast mühelos...
Warum ich ausgerechnet nach diesen beiden Kloppern den (76.77- Mortlach); SMWS "Hansel and Gretel" (16 yrs.) First Fill Sherry Butt (604 Bottles) 58,6 Vol.-% probierte, ist mir nicht mehr ganz klar... Leider! Ich hätte es doch besser wissen müssen... Doch vielleicht war hier die Gier zu groß. Und der Verstand nicht mehr ganz so auf der Höhe der Zeit (oder Aufgabenstellung)... Vielleicht ließ ich mich auch (euphorisch, wie ich war!) nur allzu gern verführen... Und erlag der Versuchung... Jedenfalls setzen hier nun meine Mitschriften aus... Und sind nur noch lückenhaft... Und sehr spärlich... Mehr als Stichpunkte finde ich jedenfalls nicht mehr... Geiles Sherryteil! Rund und warm... Typische Mortie-Nase mit viiiel Sherry, fleischigen Andeutungen, leichtem Schwefel und Gummi... Hmmm. (???) - Vielleicht kann ich ja dem Waldbaer (oder dem Frank???) noch was aus dem Kreuz leiern davon??? - DEN müßte ich schon nochmal probieren... (!)

 

Danach offerierte der weltweit (!) größte Arran-Sammlung-Besitzer (!!!) SEINEN ISLE OF ARRAN; OA (PB for Jens Steinert... u.a.) 12 yrs. (29.06.1998 - 27.07.2010) Refill Sherry Cask No. 98/818 (190 Bottles) 56,7 Vol.-%... Auch hier steht bei mir nur, daß dies ein schöner und runder Malt war... Mit tollen fruchtigen Aromen... Aber auch: mit Alkohol... Und Pfeffer. Und Schärfe... Aber ich weiß, daß er mir gefiel!
Dem folgte noch ein MORTLACH; JWWW (Castle Collection) 13 yrs./ 1989 - 2002 (Sherry ??? Cask No. 3662) 43,o Vol.-%... Hier kommen süße Sherry-(Oloroso?)-Noten und leicht harzige Noten in der Nase zum Vorschein... Darüber hinaus hat er eine leichte bitter-säuerliche Note, wie von (pink) Grapefruit... Ein schönes Teil. Aber wohl nicht viel (!) mehr, als ein wunderbarer All-Day-Dram
Den Abschluß dieses arbeitsreichen (!!!) und vergnüglichen Abends bildete bei MIR ein TALISKER; OA (25 yrs./1981 - 2006) Refill Oak Casks (4.860 Bottles) 56,9 Vol.-%... Diese letzte Offerte vom Jens Steinert offenbarte einen schönen frischen, klaren und typischen Talli... Irgendwie wollte man gar nicht glauben, daß dieser Bursche 25 Jahre auf dem Buckel haben sollte... Er hat schöne maritime Noten (jedoch nicht so schwere und dunkle, wie bei den Islay´s), seine typischen süßen exotischen Früchte (Ananas! - natürlich...). Dazu kommt milder Torf, starke Würzigkeit, Rauch und eine feine Sahnigkeit... Im Geschmack packt er dann den zu erwartenden Talisker-Pfeffer aus... Alles klingt dann in einer pfeffrigen Toffee-Sahnigkeit aus... Die doch recht lange anhält...
Tja, was soll ich sagen??? - Als mich meine Liebste am nächsten Tag fragte, wie´s war, erzählte ich ihr begeistert was von 13 oder 14 Drams... Allesamt Wahnsinnsteile! - Auweia! - Da hab ich wohl ein bischen geschummelt... Beim genauen Nachzählen waren es dann doch 19 (!!!) kleine Flöten... Alkohol-Mißbrauch? - Ehrlich? - Wohl nicht... Was kann es denn schöneres geben, als wunderschöne Drams in äußerst angenehmer Begleitung zu trinken? Die Zeit verrinnt... Die Gespräche sprudeln... Anekdoten werden hervorgeholt, Geschichten erzählt... So, wie es sein soll. Toll. Schön. Und einfach unwiderbringlich... Aber wiederholbar.
Was bliebe noch zu sagen? - All die Drams aufzählen, die von MIR NICHT (!) getrunken wurden???
Ein Nikka Yoichi (20 yrs.) 52,o Vol.-% z.B., den der Michael Roesner mitgebracht hatte... Oder ´nen Bunna; MoS (17 yrs./1992) Sherry Butt (54,4 Vol.-%), ´nen Glenglassaugh; OA (21 yrs.) 46,o Vol.-%, den Glenlivet; CWH (3o yrs.), 45,9 Vol.-%, den ich doch UUUNBEDINGT (!!!) probieren wollte... Auch den Whisky-Doris-Macduff (2o yrs./1990) Sherry Hogshead No. 1428 (54,3 Vol.-%) hab ich nicht angerührt... Warum eigentlich nicht??? Wer hatte den denn versteckt? Kuddels Glengoyne (14 yrs./1994) Madeira-Cask-Finish No. 9035) 57,7 Vol.-% wollte ich auch probieren... Ich hab´s nicht geschafft! Auch nicht Lothar´s 11jährigen OTL-Bowie... Oder all die Tropfen von Jens Unterweger... (Aber das war Berechnung! - die hole ich nach, wenn wir ein gemeinsames Tasting bei mir machen!!! - Versprochen!)... Ich hab Stephan´s Caol Ila; CS-Forum No. 2 (SSMC) 16 yrs./1990 - 2006 (54,7 Vol.-%) genauso links liegen lassen, wie die Glenleven´s, Pittyvaich´s, Bowie´s oder Arran´s von ihm... Auch den Longrow hab ich nicht versucht... Verzeihst Du mir, Stephan? Oder den Dallas Dhu; SSMC (21 yrs./1977 - 1998 59,2 Vol.-%... Hab ich was vergessen??? Bestimmt. Aber ich glaube, DAS ist nicht so wichtig... Wichtiger war die Runde. Die Leute. Die Gespräche... Schön, daß unser Käpt´n, Thomas (Sir Dino) wieder an Deck war... Und durchhielt. Auch wenn er NUR nosen konnte... Schön, daß der Steffen (Kuddel) so schnell ein "Sachse" war... (Die Pipette, lieber Steffen, brauchst Du nicht zurück schicken... Ich hab davon reichlich!)... Toll, daß nun der T.F. hier im Forum dabei ist - nachdem er bei UNS dabei war... Schön, daß der Johannes und der Micha da waren... Auch wenn die Damen dazu kränkelten... Und Jens & Jens & Stephan... Und der einzige sächsische Brenn-Meister, der ´nen GLEN MÜLSEN in Kleinst-Mengen herstellt- und davon berichtete... Lothar und Bernd_R gehören ja inzwischen schon (fast!) zu meinen Stamm-Gästen... Und Angela und ihr Mann wohl auch bald, oder???
Leute: ich habe den Abend genossen! - Und das lag nicht (nur) an den Whiskys...
Bis bald. Hoffentlich...